Gimpel Meister von Hohenfurth, Christus am Ölberg Detail 01

 

 

 

 

 

 

Eine weitere Abbildung eines Gimpels in der Kunst findet sich auf einem Altarbild aus dem 14. Jahrhundert, dem „Gebet am Ölberg“, Teil des Passionszyklus, den der sogenannte Meister von Hohenfurth für die Zisterzienserkirche in Hohenfurth, heute: Vyssi Brod in Tschechien, gemalt hat. Es ist die Szene, in der Jesus mit Petrus und zwei weiteren Jüngern in den Garten Gethsemane geht und sie vergeblich bittet, wach zu bleiben, während er betet, wenige Augenblicke, bevor die Häscher kommen und Jesus festnehmen – eine bedrückende, sehr traurige Szene. Das Bild selbst wirkt im Kontrast zur Geschichte merkwürdig freundlich, friedlich und ruhig. Im Hintergrund sitzen auf Bäumen die drei oben abgebildeten Vögel, ein Stieglitz, ein Gimpel und ein Wiedehopf, sehr fein gezeichnet, wenn auch nicht genau beobachtet, zumindest der Stieglitz und der Wiedehopf nicht. Immerhin ist durch die Farbgebung bei Stieglitz und Gimpel wie auch durch den Schnabel und die Haube beim Wiedehopf sofort erkennbar, um welche Vögel es sich handelt. Aber warum diese drei? Eine Bedeutung als Schicksalsvogel oder ähnliches hat keiner von ihnen, so viel ich weiß. Ein Rabe oder ein Hahn, ja – aber nun, vielleicht wollte der Künstler das einfach nicht. Genaugenommen ist es auch nicht nötig, eine Handlung, die jedem Gläubigen, der das Bild in der Kirche betrachtete, wohl bekannt war, noch mit düster verdeutlichenden Eigenschaften zu versehen. Ich nehme an, dass diese drei Vögel für den Maler schlicht farbenprächtig und schillernd genug waren, um auch eine Landschaft im Nahen Osten zu bevölkern, und dass ihm das genügte.

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